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| Autor: | Kilian | ||
| Datum: | 16.11.12 04:04 | ||
| Antwort auf: | Re:Israel und Palästina von Kilian | ||
Ich war letztes Jahr in Israel und dem Westjordanland, habe (zufällig) eine palästinensische Begegnungsgruppe von Jugendlichen ins Jerusalem begleiten können und mir diesen sehr komplexen Konflikt aus unterschiedlichen Perspektiven versucht anzuschauen. Trotzdem bin ich zu keinem Ergebnis gekommen und haben auch keine Lösungsmöglichkeit gesehen - dafür sind die Ursachen zu vielschichtig, die Gräben zu tief, die Motivationen der verschiedenen jüdischen und arabischen Interessensgruppen zu unterschiedlich. Es ist traurig, denn beiden Seiten hassen diesen Konflikt und ihre Bevölkerungen wünschen sich Ruhe und Frieden. Allerdings gibt es sowohl auf jüdischer als auch auf palästinensischer Seite zu mächtige Gruppierungen, deren Existenzberechtigung nur auf dem Konflikt fußt - ganz zu schweigen von den Politikern der arabischen Nachbarn, die sich in ihrem Land mit einer anti-israelischen Einstellung ganz leicht einen Teil des Rückhalts bei ihren Bürgern sichern können. Zu viele Leute profitieren von dem Konflikt. Es ist auch traurig, weil sich Juden und Araber viel ähnlicher sind, als bspw. uns Christen. Es war faszinierend zu sehen, wie selbstverständlich die Religionen beider Parteien im Alltag integriert und wie wichtig sie sind - im Gegensatz zu uns. Nicht nur in der Religion und deren Stellenwert sind sie sich ähnlich, auch in der Sprache, ihrer nahöstlichen Mentalität, ihrem Essen, ... Allerdings wird ihnen der Konflikt und die Haltung dazu mit der Muttermilch verabreicht. Wer so gehirngewaschen ist, kann sich später selten noch frei davon machen. Was es bräuchte, wäre eine "tabula rasa"-Einstellung beider Seiten - keiner trägt dem anderen etwas nach, alles ist vergessen. Sowas findet man allerdings am ehesten im Christentum, nicht dort. Ich will nicht wissen, wie groß das Leid erst werden muss, damit sich die Parteien mit dem echten Willen, Frieden zu schließen und Kompromisse einzugehen, an einen Tisch setzen. Ich befürchte, sie sind noch weit davon entfernt. kilian |
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